Artikel der Braunschweiger Zeitung vom 17.05.2004

anlässlich des Dreiakters  am 15.05.2004 im DGH-Vöhrum

 

Wahnsinn, der alle mitreißt



Kölner Filmhochschule filmte Vöhrumer Hukl-Bühne mit "Der irre Theodor"


Von Iris N. Masson



VÖHRUM. Sie hat Kultstatus erlangt, gilt als Garant für gute volksnahe Komödien: die Vöhrumer Hukl-Bühne. Und so bannten am Wochenende sogar Studenten der Kölner Filmhochschule die Premiere des Emil-Stürmer-Stücks "Der irre Theodor" auf Zelluloid.

Im ausverkauften Vöhrumer Dorfgemeinschaftshaus verbot allein die gute Erziehung einem Teil der Zuschauer, bei der Vorführung der Hukl-Bühne vor brüllendem Gelächter unter den Stuhl zu fallen. Blässlich erscheinen mag das Ohnsorg-Theater – verglichen mit dem Schwank in drei Akten von Emil Stürmer, den das Laien-Ensemble so köstlich gestaltete.

Allen voran Günter Blut, dem die Rolle des durchgeknallten Theodors auf den Leib geschrieben schien. Ausgerechnet das herzförmige Muttermal am Allerwertesten seines Filius Andreas (klasse: Jürgen Bublitz) – dieser zudem suffbedingt nackig auf dem Tische tanzend mit einer Stripperin der "Sexy-Bar" (Christa Schikorra) und von dessen Schwiegermutter Kamilla in spe (wunderbar: Gerda Penke) auf dem Titelblatt eines anrüchigen Magazins entdeckt – entlarvt den künftigen Schwiegersohn als durch und durch verdorbnenen und daher ungeeigneten Ehemann ihrer Tochter.

Damit rückt Floras (Susanne Mey) reichhaltige Mitgift in weite Ferne, auf die Theodor in Anbetracht seines beim Pferdewetten verzockten Ersparten spekuliert hatte. Also springt er in die Bresche und outet sich als verruchter Nackedei. Das wiederum findet seine moralische Ehefrau Melanie (Marina Papenburg) gar nicht witzig: Um ihre Scheidungsabsichten zu boykottieren, empfiehlt Andreas allerdings dem Vater, seinen angeblich peinlichen Auftritt mit hinterlistigen Anfällen geistiger Umnachtung zu erklären und daher auf Unzurechnungsfähigkeit zu plädieren.

Und so sonnt sich der irre Theodor im Glanze seines vom Wahnsinn erleuchteten Geistes, der einen verheerenden Schatten auf die Widersacher wirft, Kamillas unterwürfigen Gatten Benjamin (köstlich: Hubert Klinke) aber Mut zum Widerstand gegen seine dominante Frau verleiht und das Publikum aus einem Arsenal komödiantischster Querschläger beschießt.

Fazit: Lachen ist gesund – und mit der Vöhrumer Hukl-Bühne haben Viren und Bakterien in Peine nicht die geringste Chance.

Montag, 17.05.2004