Liebestrank wirkt im Blaumann

Lachgarantie im Vöhrumer Dorfgemeinschaftshaus: HUKL-Bühne präsentierte Besuch aus Afrika

Peine-Vöhrum. Blut ist dicker als Wasser sagt der Volksmund. Dies hat als Lebensmaxime auch Diplom-Schlitzohr Kurt Blaumann verinnerlicht, der seine in Afrika lebende und sehr wohlhabende Schwester Laura pausenlos um Geld für angebliche Operationen, Eheschließungen und andere finanzielle Katastrophen anschnorrt – aber für Pferdewetten und Börsenspekulationen ausgibt.Unerwartet steigt aber der brüderliche Blutdruck: Sein Schwesterherz hat sich zum Kontrollbesuch angemeldet. Das Verhängnis nimmt ebenso seinen Lauf wie die ungebremste Fröhlichkeit des Publikums, dem die bewährte und beliebte Laienspielschar „HUKL-Bühne“ im Vöhrumer Dorfgemeinschaftshaus „Die Erbtante aus Afrika“ präsentierte. Nun handelt es sich bei dem Bühnenwerk von Schwank-Vielschreiber Erich Koch zwar um eine eher durchsichtige Belustigung – aber um eine mit Lachgarantie, zumal, wenn man als dörfliches Publikum seine Nachbarn und Nachbarinnen als Spaßmacher erleben darf. Welche Rollen HUKL-Star Günter Blut in den vergangenen Spielzeiten auch überstreifte, das Publikum kriegte sich vor Begeisterung nicht mehr ein. Diesmal war er als Kurt Blaumann wiederum sehenswert.Bemerkenswert auch diesmal die Grand Dame des HUKL-Teams: Gerda Penke, 75-jähriges Spezialtalent für Lachnummern aller Art als klatschsüchtige Briefträgerin Trine. Während ihrer stark textlastigen Szenen konnte sich Souffleuse Angela Großmann entspannt zurücklehnen und genießen; besonders bei Penkes heißer Schmusenummer mit dem Kollegen Blut auf dem Bühnensofa. Dafür hat sich Autor Koch offenbar von seinem Kollegen Shakespeare inspirieren lassen, denn Kurts plötzliches blindes Werben um Trine verdankt er einem speziellen Liebestrank. Der Bühnenschmarrn lebt aber besonders von seinen textilen und maskenbildnerischen Kontrasten. Da erlebt man Günter Blut beispielsweise in Unterhosen, seine Bühnengattin Ulla als perfekt kostümierte Raumpflegerin, Dennis Görke beinrasiert und berockt und HUKL-Intendant Hubert Klinke in frappierender visagistischer Nähe zu Dieter Bohlen. Ergebnis: Ohrenbetäubende Begeisterung im Parkett, die überschwappt, wenn Jürgen Bublitz als afrikanischer Häuptlingssohn Idi Kongolus radebrechend an Stefanie Goyer und Inga Schild als Töchter Biggi und Gabi Geburtsbeschwörungen vornimmt. Zwar bewegen sich manche Gags zuweilen gefährlich dicht am Lendenbereich, aber der Schwank ist straff inszeniert, und die Souffleuse nur gelegentlich beschäftigt. Zum Schluss wird alles gut und Susanne Grobe als Schwester Laura gönnt dem komischverzweifelten Bruder samt Familie sogar noch eine Millionenspende. Blut ist dicker als Lachtränen.

Ulrich Jaschek