Ein Dorf versteht die Welt nicht mehr

„Die Gedächtnislücke“: HUKL-Bühne Vöhrum führt ein Stück von Bernd Gombold auf / Hannelore Janke als 88 888. Besucher begrüßt
 

Von Svenja Steinseifer
Peine-Vöhrum. Wenn eine neugierige Verkäuferin, ein Amtsdiener, der dem Lügenbaron in nichts nachsteht und ein Ortsbürgermeister mit einem „gewaltigen Dachschaden“ sich in ihren eigenen Intrigen verstricken, ist amüsantes Chaos programmiert. Mit der Premiere des Theaterstückes „Die Gedächtnislücke“ von Bernd Gombold startet die HUKL-Bühne Vöhrum einen massiven Angriff auf die Lachmuskeln.
„Ich habe gerade zufällig aus meinem Fenster geschaut und gesehen, dass die Silbersteins schon wieder da waren. Da wollte ich mal fragen...“ Verkäuferin Emma muss immer ganz genau wissen, was hinter den verschlossenen Türen des Bürgermeisterbüros passiert. Dass die versnobten Silbersteins sich wegen der läutenden Glocken, dem krähenden Hahn und der Musikkapelle aufregen zum Beispiel. Neugierig sei sie ja nicht, aber wenn die Kundschaft fragt, stehe sie ja unwissend ganz schön blöd da.
Was Emma nicht weiß: Mit ihren Fragen gerät die Ladenbesitzerin an den Lügenbaron höchstpersönlich in Gestalt des Amtsdieners Sepp Schäufele, der ihr gegen Schnaps verdrehte Wahrheiten auftischt. Durst macht schließlich erfinderisch. Hoch und heilig verspricht Emma, niemandem auch nur ein Sterbenswörtchen zu erzählen. Noch im selbem Atemzug greift sie zum Telefon, damit Freundin Lotte die Neuigkeiten im ganzen Ort verbreiten kann. Auch der unzufriedene Vereinsvorsitzende Anton Huber, das geräuschempfindliche Ehepaar Silberstein und die liebeshungrige Rosalinde Schneckenberger sowie der verwirrte Psychiater Professor Schnippenstein tun ihr Bestes, um das allgemeine Chaos noch zu vergrößern.
Der plötzliche Unfall des Bürgermeisters Kübele, der ihm die Erinnerung an die letzten fünf Jahre raubt, macht die Verwirrung perfekt. Denn nun wendet er sich ganz gegen seine einstige Überzeugung und findet Krähen, Glockenläuten und Blasmusik auf einmal völlig normal. Das Dorf versteht die Welt nicht mehr.
„Mit ‚Die Gedächtnislücke‘ trifft Autor Bernd Gombold einen lebensnahen Humor, der total unser Ding ist“, sagt Christa Schikora von der HUKL-Bühne. Auch die 88 888. Besucherin Hannelore Janke ist begeistert. „Das Stück ist einfach super“, sagt sie glücklich. Mit dem Gewinn, lebenslang freier Eintritt für die HUKL-Bühne, hätte sie nicht gerechnet.
„Auch den Vergleich Mann/Baugrundstück habe ich noch nie gehört. Spitze.“ So sitzt Bürgermeister Kübele der heiratswilligen Rosalinde Schneckenberger gegenüber, um ihr ein Baugrundstück zu verkaufen. Sie jedoch sucht die Liebe ihres Lebens. „Da gehen wir doch gleich mal an das Eingemachte“, lamentiert der Bürgermeister, „wie groß darf er denn sein? Wollen sie ihn für sich allein und wie soll es drum herum aussehen? Bewachsen?“ Diese aus dem Alltag gegriffenen Missverständnisse sind es, die die 220 Zuhörer im Dorfgemeinschaftshaus zum Brüllen bringen.
Und so fällt das Fazit rundherum positiv aus. „Es gibt immer was zu lachen“, freut sich Schikora. „Die Premiere ist ein toller Erfolg.“