Kommunaler Fiesling „kriegt Kloppe“
 

Publikum feiert Vöhrumer Hukl-Bühne für einen vergnüglichen Schwank
 

Peine-Vöhrum. Sie sind die Jedi-Ritter der guten Laune, die unerschrockenen Kämpfer gegen Langeweile auf der Theaterbühne und im Parkett: Ihr Leuchtschwert ist der Schwank sie schwenken es meisterlich und die Macht des Publikums ist mit ihnen: Hubert Klinke der Meister und sein Ensemble, die Hukl-Bühne aus Vöhrum.
„Der Tyrann“ war am Wochenende ihr Gegner. Albert Babel, ein fieser Bürgermeister mit Sonnenkönig-Allüren. Eine Paraderolle für Hukl-Star und talentierten Komiker-König Günter Blut. Der Kommunal-Herrscher will Hof halten im Rathaus und in der Kneipe gegenüber anlässlich seines 50. Geburtstages und alles geht schief. Das Produkt seiner Liaison mit einer Haremsdame in Saudi-Arabien vor 25 Jahren ist zum Ölscheich avanciert und begrüßt ihn zünftig mit „Ali Papa“. Die informationshungrige Raumpflegerin Rosalinde (Gerda Penke) versteht alles falsch und gibt dem Ganzen einen Waffenschieber-Drall. Alberts Gattin Erna ist für die eheliche Gewalt zuständig. Es ist der übliche übermütige Bühnenblödsinn, dieser zum Schütteln komisch-komplette Schwachsinn, vom dem man Bauchweh vor Lachen bekommt. Bemerkenswert: Der 38-jährige Autor des Stückes, Bernd Gombold, ist nach Angaben des Deutschen Theaterverlages Pressesprecher des Landratsamts Sigmaringen.
Bluts mimischer Einsatz ist bewundernswert, manchmal hat man Sorge, dass er sich bis zum Herzinfarkt spielt. Und wenn Marina Papenburg ihm als Ehemonster eines hinter die Ohren knallt, zuckt man unwillkürlich zusammen. Aber selbst einen Sturz aus dem Chefsessel übersteht er unbeschadet. Er und Gerda Penke, Vöhrums Antwort auf Heidi Kabel, wachsen zum Dream-Team des Abends zusammen, Szenenapplaus und hemmungslose Fröhlichkeit feuern die Mimen zu Höchstleistungen an.
Johannes Blasig als Scheich Achmedt bringt seinen „Ali Papa“ gewissenhaft zur Verzweiflung und Jürgen Bublitz präsentiert sowohl perfekt rot lackierte Fußnägel als auch eine stattliche dunkle Bauchmähne unter seinem Bauchtanzkostüm und wird so überzeugend-volltrunken zur lebendigen Bühnendekoration. Das Ensemble ist im Spielrausch, Angela Großmann als Souffleuse unterbeschäftigt. Das Publikum im rappelvollen Dorfgemeinschaftshaus japst vor Lachen und klatscht sich die Hände wund.
Ulrich Jaschek

Komiker-König Günter Blut alias der „Tyrann“ mit Putzfrau Rosalinde (Gerda Penke)